Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN BAYANOUN / SYRIEN  TAG 2

Guten Morgen...

Irgendwie wollte ich den Beitrag nochmal bearbeiten, dann wars Internet weg und alles futsch. Da ich den Text gesichert habe, stelle ich ihn nochmal ein, keine Ahnung, ob er nun 2 x existiert, egal

Nochmal ich...

wir sind nun in Bayanoun angekommen.

Hier ist vieles kaputt und zerstört. Irgendwann im Februar hat die russische Armee sich mit schweren Bomben hier ausgetobt.

Dabei wurde sowohl die Infrastruktur als auch die von Aleppo kommende Strom- und Wasserversorgung vollkommen zerstört.

Trinkwasser wird von Hand aus alten Brunnen gefördert und ein paar Lebensmittel organisieren Bürger aus naheliegenden Orten, meistens Dinge die zur Herstellung von Fladenbrot benötigt werden.Die Reste der bombardierten Schule stehen noch immer, so als wäre die Zeit stehen geblieben.

Für die Brunnen gibt es zwar Pumpen, aber ohne Strom ziemlich sinnlos.

Yousef, der Mann der mich hergebracht hat, erklärt mir, dass ein Ehepaar hier eine Art Kinderheim für Kriegswaisen in der Schule gegründet hat, lange Zeit wurden die Kinder aus der Umgebung hierher gebracht bis der Angriff auf die Schule erfolgte. Da um Bayanoun herum heftige Kämpfe toben, weil sich die Seiten mit den unterschiedlichen Parteien ständig ändern, kommt hier keiner mehr so einfach weg.

Die Hauptverkehrsstrassen werden von den jeweilig zuständigen Parteien kontrolliert, manchmal darf man nach Zahlung eines bestimmten Betrages passieren, aber ohne Geld geht halt mal nichts.

Wer ist Yousef eigentlich ?

Yousef ist so was wie ein Organisationstalent und stammte eigentlich aus der Gruppe, die Flüchtlinge in Afrin betreut um Dr. Rassoul.

Er ist Kurde und stellt das auch immer und überall klar.

Wer etwas benötigt, fragt Yousef, meist bekommt er es dann auch nach ein paar Tagen.

Hier gibt es auch keine Geschäfte mehr, weil keine Waren mehr ankommen und und der Wertverfall des syrischen Pfundes ist extrem.

Aktuell soll der Kurs für 10 Euro wohl 2400 Pfund betragen.

Von den erhaltenen Spendengeldern werde ich 300 Euro hier verteilen. Umgerechnet wohl ein kleines Vermögen, das evtl. helfen kann, irgendwo irgendwas zu organisieren.

Alle Spender haben Ihr OK gegeben und wir werden nun eine Möglichkeit suchen, die Kinder von hier nach Afrin zu bringen.

Das Afrin-Gebiet ist momentan die Sammelstelle für viele Flüchtlinge auf syrischer Seite in direkter Nähe zur Türkei. Afrin wird von Kurden kontrolliert und liegt im bergigen Umland relativ sicher.

Das Geld soll dazu dienen, eine Transportmöglichkeit zu organisieren und Streckenkontrollen zu bezahlen.

Yousef hat bereits Kontakte aufgescheucht, so dass am 24. ein Fahrzeug zum Transport hier eintrifft.

Wie geht es nun weiter ....

In den kommenden Tagen werden wir versuchen, mit den Solarpanels kleine Insellösungen zu schaffen, Handy's aufzuladen und 4-5 Brunnenpumpen wieder zum Laufen zu bekommen.

Viel Zeit bis zur Rückreise am 20. bleibt ja nicht, da bereits 1 Tag so gut wie verloren ist, ich muss spätestens am 19. hier aufbrechen.

Ganz ehrlich frage ich mich heute auch, warum der ganze Aufwand, es ändert sich ja am eigentlichen Problem nichts und hier ist ja eine Gegend, die im Vergleich zu den "Schlachtfeldern" um Aleppo halbwegs "friedlich" ist.

Ich behaupte einfach, mir hat es zumindest Erkenntnisse gebracht, um was es hier wirklich geht, um Menschen, die in diesem Krieg unfassbar leiden, deren komplettes Leben aus der Bahn geworfen wurde und die wohl nie wieder werden, wie sie vor dem Krieg waren und das Wichtigste: es geht um Kinder, die, die am Wenigsten dafür können.

Auch heute fliegen andauernd irgendwelche Helikopter herum, jeder hat immer den Blick nach oben, ob Bomben fallen.

Viele Hauptverkehrsstrassen werden bombardiert, wenn sich was drauf bewegt und Scharfschützen in den Städten vertreiben sich die Zeit, irgendjemanden einfach mal zu erschießen.

Wir übernachten in einem Geräteschuppen außerhalb, soll besser und sicherer sein.Ich habe mir natürlich vorher keine Gedanken um manche Dinge gemacht aber hier erwartet man eigentlich immer und zu jeder Zeit, dass eine Bombe oder Granate von irgendwo einschlägt, der Grund für die Lethargie der Menschen hier, die eigentlich nur noch im Stundenrhythmus ihr Leben planen, weil es sie immer, überall und jederzeit treffen kann.

 

Mein Bericht heute kommt spät, es war ein für mich grauenhafter Tag und es wird lange dauern, alles zu verarbeiten.

Heute morgen gegen 8 Uhr war ich mit Yousef in der südlich gelegenen Nachbarstadt um Kabel zu besorgen. Bis auf ein paar Ausnahmen stehen dort noch fast alle Gebäude und dort gibt's noch ein paar Dinge in nicht mehr bewohnten Häusern, die man brauchen kann. Ich spare mir den Kommentar über die moralische Richtigkeit solcher " BESORGUNGEN".

Lange Zeit kreiste am Himmel ein riesiger Hubschrauber und vereinzelt waren zwischen den Häusern Schüsse zu hören, bis er aus dem Sichtfeld verschwand.

Yousef meinte, komm, es dauert nicht lange, gleich, gleich....

er meinte, es sei besser, in einem Haus zu warten.

Wir haben in einem abseits stehenden Haus Deckung gesucht, ich fragte Yousef, was denn passiert gleich? er nur "WAIT!"

Und wirklich, kurz danach hörte man den Hubschrauber wieder, dann ein abartiger Knall dass der ganze Boden wackelte. Raus auf den Balkon um zu sehen was passiert und schon kam ein zweiter Hubschrauber, der Dinge fallen lies. es lässt sich mit dem Handy nicht genau filmen was passierte ausserdem zitterte ich wie nie im Leben.

Irgendwie brach die Hölle aus, es knallte so fürchterlich, dass man überhaupt keinen Vergleich findet, es richtig zu beschreiben. Riesenwolken aus Rauch, Staub und Trümmern flogen umher, Gottseidank ein gutes Stück weg von uns.

Jetzt starben Menschen, es war genau die Situation, vor der ich am meisten Angst hatte.

Wir warteten erstmal eine halbe Stunde, der Hubschrauber kam nicht mehr zurück.

Dort wo es passiert war, sah es fürchterlich aus, Trümmer wohin man schaute, tote Menschen und Dinge die ich nicht beschreiben werde.

Eigentlich wollte ich die Bilder von hier online stellen aber das geht nicht, das ist ne Nummer zu heftig.

Nur das kleine Mädchen, das von Splittern im Gesicht verletzt wurde und das mir nicht aus dem Kopf geht, will ich zeigen.

Es macht einfach deutlich, wie wichtig der Transport zumindest der Kinder in eine sicherere Gegend ist.

Wir wollten in keinem Fall bis zum 24.warten, die Kinder mussten SOFORT weg.

Ich habe auch noch Geld dabei und zusammen kommen wir auf 600 Euro, etwa 140000 syr. Pfund.

Ich danke nochmal speziell Dolly, Ellen und Michaela, dass sie der Verwendung der Spendengelder zugestimmt haben.

Für die hiesigen Verhältnisse ein kleines Vermögen.

Yousef hatte heute mittag jemand aufgetrieben, der für das Geld die Kinder heute abend hier abholte und in das syrische Flüchtlinslager vor der türkischen Grenze brachte.

Ich will versuchen die beiden Videos hochzuladen, weiss aber nicht, ob es funktioniert, die Datenübertragung hier ist quälend langsam.

Wenn ich mir vorstelle, dass die Menschen tagein tagaus diese Todesangt haben, aus heiterem Himmel in hunderte von Fetzen gerissen zu werden, könnte ich durchdrehen.

Es ist ein Horrorgefühl, so etwas selbst aus sicherer Entfernung zu sehen.

Warum passiert sowas ?, warum muss man an einem Sonntag Bomben auf einen Ort werfen und dann wieder verschwinden.

Es geht wohl nur noch darum, die Bevölkerung für irgendwas zu strafen, denn derjenige, der da oben auf den Auslöser drückt, weiss genau, was er tut.

Die Kinder sind weg, zumindest in einer halbwegs sicheren Umgebung, zurück bleibt bei mir entsetzliches Unverständnis und Bilder, die ich nie vergesse.

Syrien, Arabien und diese ganzen Länder bilden doch die Wiege des Islam, warum töten Moslems ihre islamischen Brüder und Schwestern ???

Es ist ein bedrückendes Gefühl, zu erkennen, du bist nichts Besonderes, es kann Dich überall und jederzeit selbst treffen. Da macht sich eine lähmende Angst breit, die sicher nicht hilfreich für nächsten 3 Tage sein wird.

Ich hätte in Ludwigshafen bei meinem Deutschunterricht für Flüchtlinge bleiben sollen, es gibt noch Dinge die ich vorhabe zu tun und Rita und unsere kleine Polly sind ebenso wichtig.

Eventuell war es ein riesen Fehler, hierher zu kommen, aber es kann auch sein, dass ich morgen wieder anders denke, erstmal zur Ruhe kommen, dann sehen wir weiter.

Nach was wichtiges :

Whatsapp funktioniert seit heute morgen überhaupt nicht mehr, keine Ahnung ob das Problem an meinem Handy liegt oder ob der Dienst hier komplett gesperrt wurde oder ausgefallen ist.

Rita, wenn Du hier mitliest, mir geht es gut, es ist alles in Ordnung.

NIEMAND MUSS SICH SORGEN MACHEN.

Eine ruhige und friedliche Nacht nach Deutschland....