Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN BAYANOUN / SYRIEN  TAG 5

Mein Gott...

Seit 20 Uhr tobte nordwestlich von hier ein Angriff mit solcher Heftigkeit, dass man hier glaubte, die Welt geht unter.

Ich habe versucht, irgendwas zu filmen aber es war zu dunkel, um was zu sehen und weiter raus traute ich mich nicht.

Ich rührte mich keinen Millimeter mehr und lag platt in einer Ecke, das kleine Häuschen hier bietet keinen Schutz.

Jetzt ist es vorbei und alles ist totenstill, absolut nichts ist zu hören.

Dafür bin ich nicht gemacht... eine solche Angst will ich nie wieder erleben.

 

Guten Morgen...

Nicht geschlafen genervt und einfach nur kaputt.

Ewig rumdiskutiert wie es nun weitergeht und zu keinem richtigen Ergebnis gekommen.

Sich einfach in ein Auto zu setzen und zu sagen, so, das war´s, ich fahre jetzt an die Grenze funktioniert nicht mehr.

Yousef erzählte, alle Strassen nach Norden sind mit Posten besetzt, kein Durchkommen.

Durch die Felder zu laufen macht auch wenig Sinn, da man über das ebene Land sehr weit sehen kann und ich niemandem in die Arme laufen will.

Nach langem Hin und Her haben wir jetzt eine Lösung gefunden.Yousef bringt mich heute abend ein paar Kilometer westlich hinter Anadan, dort beginnt eine sehr bergige Gegend.Wir haben in Google Maps soweit es möglich war eine Route über

Bachma

Kalota

Kimar

Maryamayn

Katma

nach Qestel Cindo

festgelegt, die durch kurdisches Gebiet führt und wahrscheinlich durch die Berge nicht sehr stark überwacht wird.

Durch den Umweg verlängert sich die Strecke bis zur türkischen Grenze auf ca 110 km und da tagsüber Temperaturen von 27 bis 30 Grad herrschen, ich einen Rucksack mit genügend Wasser und dem anderen Krempel mitschleppe, rechne ich mit 3 Tagen für den Weg durch die Berge, Freitag sollte ich also an der Grenze ankommen.

Das Satellitentelefon werde ich Yousef geben, er hat da mehr Verwendung dafür als ich, außerdem hat er mir sehr viel geholfen und Geld nimmt er nicht. Mit der Prepaid Karte kann er noch einige Zeit telefonieren und danach wird er sich schon was organisieren.

Die Karten für das Navigationssystem habe ich geladen so dass ich keine Datenverbindung benötige. Da ich mit dem Handy alleine keinen Empfang habe, werde ich mich also die nächsten Tage nicht melden können, bis ich mich im türkischen Netz einbuchen kann.

Was bleibt ?

Eindrücke und Erfahrungen, die lange im Kopf bleiben werden und sicher ein anderer Umgang mit den Menschen, die bei uns leben müssen, weil Sie diesem Elend hier entkommen sind.

Das was in unseren Medien über diesen Krieg gezeigt wird, ist schlimm, beschreibt aber nicht annähernd die Wirklichkeit.

Nochmal ?

Nein, definitiv nicht.

Das was man hier erreichen kann ist ein kleiner Schritt nach vorne, was am nächsten Tag passiert, sind wieder 3 Schritte zurück.

Solange dieses Regime hier an der Macht ist, wird sich die Situation bis zum totalen Kollaps Tag für Tag verschlimmern.

Hier zu helfen macht nur Sinn, wenn der Krieg irgendwann einmal zu Ende ist und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.

Vielen Dank an all die Mitleser, die Kommentare und das Interesse, speziell meinen Dank an Dolly El-Ghandour, die sicher weiss, warum.

 

 

Hallo nochmal...

Es ist nun soweit, ich mach mich jetzt auf den Weg.

Alles Entbehrliche wurde verteilt und genug Wasser eingepackt.

Es gab eine rührende Verabschiedung mit den Menschen hier, die ich sicher nie vergessen werde und denen ich alles Glück der Welt wünsche.

Die nächsten Tage gibt es jetzt keine Nachrichten, bis ich an der Grenze bin.

Auf dem Weg vor Adanan gab es noch ein sehr trauriges Bild, das ich trotzdem noch einstellen möchte.

Es zeigt einfach mit schrecklicher Deutlichkeit, wie gefährlich es ist, sich am hellichten Tage auf den Straßen zu bewegen.

Hier setzt mittlerweile die Dämmerung ein und es ist relativ ruhig geworden so dass die Chance, die Berge zu erreichen relativ hoch ist.

Ich wünsche Euch Allen was und wir hören uns wieder.