Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN BAYANOUN / SYRIEN  TAG 6

TSCHÜSS SYRIEN, HALLO TÜRKEI...

Ich hab´s gepackt, stehe auf türkischem Boden in Öncüpinar.

Es hat etwas länger gedauert, gestern kam ich nicht weit, weil die Türkei wirklich massiv die Gegend um Afrin beschießt. Also musste ich bis zur Nacht warten.

Am syrischen Grenzposten saßen 2 in Uniform mitten auf der Duchfahrtsstrasse an einem Tisch und haben nur durchgewunken,wollten nicht mal den Pass sehen.

Nach einem kleinen Palaver mit den türkischen Grenzbeamten dank einem Dolmetscher durfte ich dann auch dort einreisen.

Der Dolmetscher erklärte, wenn jemand mit einem deutschen Pass aus Syrien hier ankommt, ist er entweder verrückt oder kommt vom IS.

Ich konnte sie dank unserer facebookgruppe irgendwie überzeugen, dass ersteres wohl eher zutrifft.

Einer der Beamten war so freundlich, mir ein Taxi zu rufen, auf das ich jetzt warte.

Ich möchte über Kilis nach Gaziantep und dort eine Möglichkeit zum Übernachten suchen. Außerdem habe ich das dringende Bedürfnis, lange zu duschen, irgendwie rieche ich nicht mehr so gut.

Danach muss ich nach Gaziantep zum Flughafen und eine Möglichkeit suchen, irgendwie hier weg zu kommen.

Ich werde dann gegen Abend noch einen kurzen Bericht schreiben und dann sehen wir weiter.

Eine Sache noch, die mich so dermaßen aufregt, dass ich grad nen Anfall kriegen könnte. 

Ich hab ein paar Bilder eingestellt, unter anderem ein Bild mit meinem Taxi, im Hintergrund das Grenztor.

Ich weiß nicht, ob man es auf dem Bild richtig erkennen kann, aber rechts neben dem Taxi, hinter dem Tor stehen weisse Krankenwagen mit Blaulicht, die die Verletzten vom Angriff der Nacht nach Kilis in die Krankenhäuser bringen.

WIE PERVERS IS DAS DENN????

Zuerst unschuldige Menschen in Grund und Boden bomben und dann die Verletzten einzusammeln !

Gerade mal 2 km hinter diesem Tor wurden gestern Menschen getötet und Orte ausradiert.

GRUSELIG.

Ich habe auch mit einem sehr jungen Grenzbeamten gesprochen, während ich warten musste und gefragt, warum keiner der LKWś aus der Riesenschlange mit Hilfsgütern die Grenze passieren darf.

Die Antwort ist genauso simpel wie niederschlagend :

Es sind wirklich allles LKW mit Lebensmittel,medizinischen Notfallmedikamenten und technischem Gerät, ABER...

Die Fahrer weigern sich, die syrische Grenze zu überschreiten. Die LKW fahren durch das türkische Grenztor, dort wartet ein regimetreuer Fahrer mit einem leeren LKW. Der erste LKW wird von Hand unter Bewachung komplett ausgeladen und alles in den leeren LKW verfrachtet, der dann die syrische Grenze passiert, das ganze dauert je nach LKW und Ladung bis zu 10 Stunden.

Manche Fahrer stehen schon seit 3 Wochen hier.

JA GEHTŚ NOCH???

Die anderen Bilder zeigen ein paar Eindrücke vom Weg hierher, wohl Ergebnisse der letzten Tage

Naja, es ist zu Ende...

Später mehr

 

HALLLLOOOOO,

Ich habe Netzverbindung zu Türkcell und schreib mir grad den Frust von der Seele.

Nach 2 Tagen Ruhe sitze ich seit heute morgen vor Afrin in einem Olivenfeld und schaue zu, wie die türkische Armee sich hier austobt.

Noch 25 km bis zur Grenze und keine Möglichkeit, weg zu kommen. DAS NERVT SOWAS VON!

Da fliegen Hubschrauber, die was abfeuern, dann kommt von irgendwo anders was geflogen und explodiert, von hier aus kann man dem Treiben nur zusehen.

Das Ganze spielt sich im Kurdengebiet zwischen Afrin und Azaz ab. 

Die Zeit geht einfach nicht vorüber, wenn man nur hier rumsitzt. Hoffentlich sind sie gegen Abend fertig.