Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN BAYANOUN / SYRIEN  TAG 7

Hallo,

Alle wichtigen Dinge sind soweit erledigt.

Ich habe in Gaziantep ein sehr günstiges Hotel gefunden, irgendwas mit Minus 0,5 Sternen, aber dafür billig. Umgerechnet etwa 14 Euro pro Nacht.

Das Zimmer ist klein, sehr einfach aber zum Schlafen OK.

Die Buchung des Rückfluges war etwas aufwändiger. Es gibt zwar einige Billig-Flüge von hier nach Istanbul aber von dort sind die Weiterflüge nach Frankfurt ausgebucht. Auf keinen Fall möchte in einer Stadt wie Istanbul ein paar Tage rumwarten.

Ich konnte mein abgelaufenes Ticket gegen eine Gebühr umbuchen und muss so nicht unnötig Geld verbraten.

Ich bekam für Mittwoch einen Flug von hier nach Istanbul und 3 Stunden später einen Weiterflug nach Frankfurt. Abflug hier am nächsten Mittwoch um 5.30 Uhr und Ankunft dann am Mittwoch um 14 Uhr in Frankfurt.

Im Internet wird vor Reisen nach Gaziantep gewarnt, also bleibe ich die Tage im Zimmer, hier sprengt sich ja auch andauernd irgendeiner in die Luft.

Die paar Tage werden jetzt auch noch vorüber gehen.

Soweit die Pläne für die nächsten Tage...

Bevor ich noch einige Dinge berichte, Etwas, das mir sehr am Herzen liegt :

Ich musste mir ja für die nächsten Tage etwas Geld besorgen und dank Onlinebanking hat es mir die Sprache verschlagen.

Es sind noch Spenden eingegangen !

Ich habe lange überlegt, was ich darauf sagen soll, aber die richtigen Worte finde ich nicht, denn mit einem einfachen " Danke " wäre es nicht getan.

Es berührt mich sehr tief, dass es wirkliche Freunde gibt, die das alles unterstützen, auch wenn ich viele davon LEIDER (noch) nicht persönlich kenne.

Es sind auch die Kommentare zu den Berichten, die das Mitgefühl für die Menschen in Syrien zeigen und mich irgendwie trotz allem stolz machen, wenigstens etwas im kleinen Rahmen bewirkt zu haben.

Die wirklichen Helden der Aktion sind

Ellen Nagel

Dolly El Ghandour

Michaela Lindemann

Desiree Zercher

die einfach und ohne große Worte das Projekt unterstützt haben und dem Einsatz des Geldes sofort zugestimmt haben.

Nicht zu vergessen, die, die sich täglich für Flüchtlinge bei uns einsetzten, ohne dass es groß bekannt oder gewürdigt wird.

In Syrien herrscht nicht nur ein Krieg sondern ein unbeschreibliches Elend durch ein Verbrecherregime, das vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist.

Viele der Flüchtlinge haben Dinge erlebt und gesehen, die eine Grenze des Erträglichen weit überschritten haben, aber sie reden nicht darüber.

Wir brauchen Verständnis und Geduld, keine Ablehnung oder Fremdenhass.

Dankbare Augen sind mehr wert als alles Geld der Welt.

Wollte ich einfach nur mal so sagen !

Die letzte 3 Tage waren richtig nervig.Irgendwie hatte ich den Eindruck, mit jedem km werden die Berge und Hügel steiler. Ich wollte ja Wege und Straßen vermeiden um jedem aus dem Weg zu gehen, denn erstens spreche ich die Sprache nicht und man weiss ja nie, wer einem gegenüber steht.

Also immer rumgekraxelt zwischen Steinen und Büschen, aber mehr als 2-3 Stunden gehen nicht, ich bin zu unsportlich und der Rucksack zu schwer.

Dazwischen irgendwo hingesetzt und ausgeruht. Weil mir vieles der letzten Tage im Kopf rumgeht und ich niemand zum reden hab, schreib ich alles was mir einfällt auf und werf es dann wieder weg, hilft irgendwie.

Die letzten 20 km von Kafr Janneh bis zur Grenze führten dann ganz früh heute morgen vorbei an den Außenbezirken von Azaz und zeigten dann wieder sehr deutlich, wo man sich befindet.

Massive Zerstörungen von Wohnhäusern und Schuttberge, wohin man schaut.Menschen sieht man weit und breit nicht, sind wohl alle irgendwie geflohen.

Mehr gibts nicht mehr dazu zu sagen.

Ich bin froh, dass es soweit vorbei ist, ich war ja schon auf manches gefaßt, aber auf die Wirklichkeit hier kann man sich nicht vorbereiten.Trotzdem sag ich nicht " Nie wieder ".

Es gibt ein kleines, viel diskutiertes Speichwort aus dem Islam, einer Sure des Koranes :

Rette ein Leben und du rettest die Menschheit

Ich kommentiere es nicht.

Im Hotel habe ich zumindest kostenloses WLAN, Ich habe auch einen Datenpass für 6 Tage gebucht und Whatsapp funktioniert auch, ich kann wieder kommunizieren.

Ich habe mir auch meine Beiträge hier nochmal durchgesehen, wusste gar nicht, dass ich soooo viel geschrieben habe.

Vielleicht manchmal zu viel.

Man sieht Dinge, die so unfaßbar sind, dass man sie sich nicht einmal vorstellen könnte, dass sie passieren.

Dinge, von denen die Welt nichts mitbekommt oder die sie nicht sehen will oder soll.

Warum erschießt ein Heckenschütze aus seinem Versteck heraus ein spielendes Kind auf der Straße ohne mit der Wimper zu zucken ?

Warum werfen Piloten Fassmoben mit Nägeln gespickt auf Schulen und Krankenhäuser, warten bis Helfer kommen um zu retten und starten dann den zweiten Angriff ?

Was wird aus den Kindern, die so unfaßbar schreckliches miterlebt haben und überleben ?

Wie sollen sie denn das verarbeiten verarbeiten, wenn Erwachsene daran durchdrehen ?

Hier kämpft einfach nur jeder gegen jeden, sinnlos und ohne Ende und ohne jegliches Mitgefühl.

Ich freue mich jetzt erst einmal ganz besonders auf Rita und Polly, für die die letzten Tage auch nicht leicht waren.

In jedem Fall werde ich am Mittwoch nach der Rückkehr zum Cafe Welcome gehen.

Ich möchte einfach nur wieder ein paar für mich wichtige Menschen um mich herum haben.

Mehr werde ich jetzt nicht schreiben, alles ist berichtet und jeder kann sich seine eigenen Gedanken machen.

Die nächsten Tage werde ich viel schlafen und was vernünftiges essen.

Im Hotel neben dem Aufzug steht eine einfache Personenwaage zum Wiegen der Koffer, wenn sie richtig funktioniert, 12 kg sind verschwunden. Wer also eine wirklich gute Diät sucht, ich weiss was....

Ich leg mich jetzt ins Bett und schlafe erstmal, irgendwie bin ich platt.

Ich danke den Menschen, die sich in dieser Zeit noch Werte bewahrt haben und das Schöne ist, ich habe wirkliche Freunde kennen und schätzen gelernt und eine Hand voll Kinder haben eine Chance bekommen.

Viel Grüsse an alle, man hört / sieht sich ...

 

ABSCHLUSS...

Ich schreibe jetzt die letzten Zeilen zu UNSEREM Projekt.

Trotz aller Widrigkeiten hat sich die ganze Aktion am Ende doch voll gelohnt.

Das ursprüngliche Vorhaben, Strom und Wasser in einer vergessenen Gegend wieder halbwegs herzustellen, hat ja am Ende eine Eigendynamik entwickelt, die nicht vorhersehbar war.

Gottseidank ist am Ende doch alles gut gegangen und der Erfolg spricht für sich.

Ich hatte ja vor Beginn der Reise versprochen, alles möglichst transparent darzustellen und daß bis heute soviel Geld an Spenden zusammen gekommen ist, ist eine ganz tolle Sache.

Die VISA Gebühren, Flug- und Reisekosten, Ausgaben für Telekommunikation usw betragen 856 Euro und es war von Anfang an klar, dass ich die selbst trage.

In Syrien wurden insgesamt etwa 900 Euro (entsprechend etwa 200.000 sy. Pfund ) für Besorgungen und "Schmiergelder" ausgeben, wovon 420 Euro durch Spendengelder getragen wurden )

Im Grunde nur ein Tropfen auf einem sehr heißen Stein, viel schlimmer ist die Ohnmacht, zu erkennen, daß mehr eindach nicht geht. Es wäre schön, wenn sich als Ergebnis dieser Tour das Verständnis für die Lage der Menschen verbessern würde, die aus diesen Kriegsgebieten zu uns kommen und wirklich unvorstellbare Dinge erlebt haben.

Es ist nun vorbei, meine Sachen sind gepackt und um 3 Uhr bringt mich ein Taxi zum Flughafen. Richtig sicher fühle ich mich aber erst, wenn ich in Frankfurt gelandet bin.

Seit gestern gilt hier für alle Flughäfen eine erhöhte Terrorwarnung, hoffentlich gibt es keine Verzögerungen.

Wenn alles gut geht, sieht man sich heute nachmittag im Café in Oggersheim.

Ich kann mich nicht genug für die moralische und finanzielle Unterstützung aller aus dieser Gruppe bedanken.

Großartige Menschen mit viel Herz.

Danke

Daniel