Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

RETTUNGSEINSATZ CHIOS / GRIECH. INSELN 17. - 31. März 2016  /  TAG 3

ABBRUCH

Wir haben einstimmig beschlossen, den heutigen Einsatz abzubrechen. Der letzte Rest vom Mondlicht ist verschwunden und es landen Wellen von 1-2 m an, keine Chance, noch irgend etwas zu erkennen. Das Getöse der Wellen ist dermaßen laut, dass man auch keine Stimmen oder Motorengeräusche mehr entdecken kann.

Wir sind uns der Verantwortung durchaus bewusst und der Entschluss wird evtl. über Leben und Tod von Menschen entscheiden.

Nachdem die Küstenwache den Betrieb jedoch eingestellt hat, gibt es einfach keine Chance mehr, jemanden aus Seenot zu retten.

 

Wir hätten keine Chance, irgendjemand zu Hilfe zu kommen, vielleicht ist es deshalb auch besser, dies nicht noch mit einem Fernglas zu beobachten.

 

Es ist, wie es ist, hier sind die Grenzen, vor denen wir kapitulieren müssen.

 

Selbst wenn wir ein Boot hätten, würden wir uns in Lebensgefahr bringen, bei 4 m Wellen auf dem Meer in einem Boot unterwegs zu sein, wenn selbst große Polizeiboote den Dienst einstellen.

 

Niemand von uns hat die Entscheidung leicht genommen, dennoch wurde sie den Tatsachen geschuldet, getroffen.

Wir beten darum, dass heute niemand unterwegs ist und wir uns umsonst Gedanken gemacht haben.

 

Noch einige Zeilen um HAMMER DES TAGES:

 

Heute Mittag gab es ein Meeting mit der Port-Authority, die Koordination von Hafenpolizei, Küstenwache und Frontex.

Die Ergebnisse sind erschütternd und wir mussten zweimal nachfragen, ob wir wirklich alles richtig verstanden haben.

Die offiziellen Stellen sagen ganz klar, sie können nichts mehr machen, weil alle offiziellen Maßgaben, EU-Verordnungen und Gesetzgebungen nicht eindeutig sind und selbst die Polizei und Küstenwache nicht mehr weis, was sie tun oder unterlassen sollen.

 

Wörtlich sagte man uns, alle Helfer die hier sind, haben alle Möglichkeiten zu tun, was sie für richtig halten, die offiziellen Stellen mischen sich nicht ein. Man sagte uns allen Ernstes, wenn wir angegriffen werden, sollten wir die Polizei rufen, aber nur, wenn wirklich Gefahr für Leib und leben besteht. Wenn ein Flüchtling sich weigert, in den Bus zu steigen, können wir auch nichts machen, dies sei jedoch kein Grund, die Polizei zu rufen.

Man überlege sich einmal, wie weitreichend diese Konsequenzen gehen.

Die Behörden ziehen sich zurück, weil sie keine offiziellen Anweisungen haben und überlassen jede Arbeit den freiwilligen Helfern.

Alle Camps wurden inzwischen geräumt und die Flüchtlinge zu den Hotspots gebracht, von wo aus später die Rückführung in die Türkei und von da in die Ursprungsländer erfolgen soll.

Euch allen eine ruhige Nacht.