Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

RETTUNGSEINSATZ CHIOS / GRIECH. INSELN 17. - 31. März 2016  /  TAG 8

Besuch im Horrorcamp VIAL

Heute haben wir uns entschlossen, Kinderspielsachen ins Camp Vial zu bringen.

Mit etwa 400 kleinen Kuscheltieren und kleinen Figuren machten wir uns auf, diese im Camp an Kinder zu verteilen.

Nach einer entnervenden Anmeldung wurde uns schließlich der Zugang gestattet.

 

Wir betraten den eigens für die Kinder errichteten "Aufenthaltsbereich", wo auf den ersten Blick weitere 80 Kinder vorzufinden waren, doch kamen immer mehr Kinder in den Schmalen Gang zwischen den Containern. Der anwesende Übersetzer, der uns eigentlich unterstützen sollte, versuchte mehrmals, die Kinder dazu bewegen, eine Reihe zu bilden. Dies gelang jedoch nicht. Wir uns entschlossen uns, eine Art menschliche Mauer zu bilden um die Kuscheltiere geordnet ausgeben zu können. Zuerst gelang dies, bis schließlich immer mehr Kinder kamen und versuchten sich vorzudrängeln. Es war eine unglaublich Situation die sich uns bot. Die Kinder griffen zwischen uns hindurch um an die Kisten zu gelangen. Von der Masse ging ein so großer Druck aus, das die Kleinen gerade so zerdrückt wurden. Viele Kinder probierten, mehrere Spielsachen zu bekommen und es brach eine Art Aufstand aus. Die Kinder prügelten sich, nur um ein Kuscheltier zu ergattern. Wir entschlossen uns, die letzten Kuscheltiere zu behalten und die Aktion abzubrechen, da inzwischen mindestens 450 Kinder um uns versammelt waren und die Situation weiter zu eskalieren drohte. Selbst Jugendliche und Erwachsene waren da und drängelten, um an uns heran zu kommen. Nachdem wir das Camp verlassen hatten, fiel uns dann auf, das sich noch zwei unserer Helfer im Camp befinden mussten. Wir entschlossen uns, nochmal ins Camp zu gehen und unsere Leute zu holen. Diese wurden gegen einen der Wohncontainer gedrängt und es wurde versucht, ihnen ihr Beutel voller Kuscheltiere zu entreißen. Wir schafften es schließlich, den fast leeren Beutel mitzunehmen auf dem Rückweg wurde dann ein kleines Mädchen nahezu niedergetrampelt. Eine der Helferinnen aus unserer Gruppe bemerkte dies und schrie ängstlich nach uns. Nils, der als einziger von uns zu diesem Zeitpunkt noch im Camp war, trug das Mädchen dann aus der Menschentraube heraus um sich ihre Verletzung genauer anzusehen. Es handelte sich um eine starke Prellung des Knie´s. Es war uns jedoch nicht erlaubt, diese zu versorgen, außerdem ist es unmöglich, medizinische Ausrüstung, die eigentlich dringend benötigt wird, ins Camp zu bringen.

Die bisherigen Beschreibungen, die man vom Camp in den öffentlichen Berichten lesen kann, können die Zustände, die dort herrschen, nicht annähernd beschreiben.

Die am schlimmsten leidenden sind die Kleinsten, die am wenigsten dafür können.

Ein ganz großer Vorwurf muss jedoch den Leitern und Sicherheitsorganen gemacht werden, die sich weigern, die Vielzahl von freiwilligen Helfern im Camp Ihre Arbeit machen zu lassen. Die Resourcen zur Versorgung, medizinische Betreuung und vor allem Spielsachen für Kinder sind in ausreichendem Maße vorhanden. Die Verteilung scheitert einzig und allein an der herrschenden Bürokratie.

Wir sind zurückgekehrt mit vollkommen kontroversen Eindrücken, Wut,

Enttäuschung und vor allem Mitleid mit Kindern, die für Ihre Situation am wenigsten können.

Menschen, die innerhalb der EU im 21. Jahrhundert wie Vieh gehalten werden, denen man jede Art von Menschlichkeit versagt und die man einfach in Ihrer Not sich selbst überlässt.

Diese Menschen leben in der Hoffnung, nach Europa weiterreisen zu dürfen und ahnen nicht, wo sie am Ende landen, über die Türkei an den Ort, wo alles Elend begann, Ihre Heimat.

Leider nur wenig Bilder, Fotografieren ist streng verboten