FLÜCHTLINGSHILFE - RUCHHEIM

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DRITTES FLUTHILFE-PROJEKT IN MAYSCHOSS VOM 04.08.2021

VIDEO ZUSAMMENFASSUNG

Zusammenfassung 3. Ahr-Tal Projekt in Mayschoss


Gestern Morgen, gegen 05.45 Uhr hat sich unser Helferteam, bestehend aus 11 türkischen und irakischen Mitbürgern unserer Stadt mit 3 Fahrzeugen aufgemacht, in Mayschoss, einem Dorf mit etwa 950 Einwohnern inmitten des Ahrtales gelegen und am schlimmsten von der Flutkatastrophe betroffen, zu helfen.

Wir haben einen eigenen Shuttlebus bekommen, der uns vom Parkplatz im Industriepark in der Ortschaft Grafschaft direkt nach Mayschoss gebracht hat.

Alleine die Anreise nach Mayschoss gestaltet sich extrem schwierig. 

In Mayschoss gab es neben einer Eisenbahnbrücke drei weitere Brücken, über die man den Ort erreichen konnte, die alle komplett verschwunden sind.

Die Bewohner haben kurz nach der Katastrophe in eigener Regie mit Unterstützung einheimischer Unternehmer einen Feldweg durch die Weinberge geschottert und asphaltiert, so dass überhaupt Hilfsfahrzeuge den Ort erreichen können.

Der Ort selbst ist der absolute Horror !

Nicht ein Haus entlang der Uferstraße, das nicht erheblich beschädigt oder gar komplett zerstört ist. 

Überall Einsatzfahrzeuge von Polizei, THW und Bundeswehr, die mit schwerem Gerät versuchen, dem Schutt Herr zu werden. 

Am Ortseingang, wo 6 Häuser standen, ist nicht einmal mehr eine Grundmauer zu sehen, sie sind einfach ausradiert worden.

An allen Geschäften, Restaurants und Läden sind bis zur zweiten Etage keine Fenster mehr zu sehen.

Kontaktadresse für uns war der Krisenstab von Polizei und Feuerwehr in der alten Schule und dort haben wir auch die Adressen bekommen, wo wir helfen können.

Die erste Anlaufadresse war ein Haus in der Ortsmitte, wo bei einem Umzug geholfen wurde, an einer weiteren Baustelle in der gleichen Straße mussten Fliesen im Keller am Boden und an den Wänden entfernt werden.

Der Krisenstab hat sich dann immer wieder telefonisch gemeldet und so mussten wir unterbrechen, weil wir zur Unterstützung der Polizei und der Bundeswehr an verschiedenen Stellen aushelfen sollten.

Wir waren zweimal in Ahrweiler und waren schockt über das, was wir dort sehen musste, aber Mayschoss toppt wirklich alles.

Nur wenige Häuser sind am Hang gebaut und hatten so geringe Schäden, fast alle liegen auf dem gleichen Niveau und es gibt wirklich nicht ein Haus, das keine Schäden aufweist.

Wir haben uns immer wieder Zeit genommen, den Bewohnern bei ihren Erzählungen zuzuhören, die Menschen in Mayschoss haben unglaubliches erlebt.

Auf dem Weg zum Krisenzentrum habe ich zwei Seelsorger getroffen und einfach mit den Worten „ Ihnen wird´s hier auch nicht langweilig“ angesprochen.

Ihre Antwort : „ wir versuchen gerade, uns einmal kurz zu sammeln…“


Unser Helferteam hat in den Kellern wie wild gewütet.

Es gibt nur wenig Licht, die Luft ist stickig und der Gestank nach Heizöl, Schimmel und Moder ist extrem. 

Dazu die schweren Baumaschinen, mit denen der Boden und die Wände aufgestemmt wurden.

Die Helfer mussten wirklich nahezu mit Gewalt für eine kurze Pause überredet werden.


Ein Schock war dann, als einer der Helfer über schwere Schmerzen im Arm und der Brust klagte.

Die Hausbesitzerin hat ihn zum Sanitätspunkt des DRK gebracht und dort wurde sofort entschieden, ihn mit dem Rettungshubschrauber nach Koblenz in die Bundeswehrklinik zu bringen.

Nach endlosen Telefonaten mit der dortigen Notaufnahme zeigte sich dann gegen 15 Uhr ab, dass der befürchtete Herzinfarkt dann doch nicht diagnostiziert wurde sondern wohl die psychische und körperliche Belastung Anlass war.

Ein Teil des Helferteams hat ihn auf dem Rückweg in Koblenz abgeholt und mit nach Hause genommen.

Zwei weitere Personen des Teams haben kontaminierten Schlamm bei den Abbrucharbeiten in die Augen bekommen und mussten mit Augenduschen und steriler Kochsalzlösung behandelt werden.


Selbst die kleinsten Verletzungen in dieser Umgebung können schwere Infektionen hervorrufen und müssen sofort behandelt werden.


Man fühlt sich verantwortlich für jeden, der mitgekommen ist und solche Situationen belasten das ganze Team.


Gegen 17.20 Uhr kam dann der Shuttlebus und hat uns abgeholt und zurück zum Parkplatz gebracht.

Kurz nach 20 Uhr waren alle wieder wohlbehalten in Ludwigshafen.


Was mich persönlich am meisten freute, war während dem Einsatz eine Nachricht auf dem Handy, dass von Ellen Nagel und von Wolfgang Wilhelm ein großer Geldbetrag gespendet wurde.

Es wurde sofort von allen beschlossen, mit dieser Spende weitere Fahrten in´s Ahrtal zu finanzieren und somit wird es einen vierten und fünften Einsatz geben.

Mit diesem Geld werden wir die Fahrtkosten finanzieren.

Arbeitsmaterial bekommt man an fast jeder Ecke kostenlos zur Verfügung gestellt, jedoch können wir so einen Teil der Spenden für persönliche Schutzausrüstungen wie Schutzbrillen und Gehörschutz verwenden.


Danke Ellen und Wolfgang !

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