Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN COX´S BAZAAR / BANGLADESCH SEPT. 2017 / TAG 10

Irgendwie hat uns heute der Teufel geritten.

Wir haben uns ganz kurzfristig entschlossen, nochmal ins direkte Grenzgebiet zu Myanmar zu fahren.

Es ist wirklich schwer, an die Grenze zu gelangen, alle paar hundert Meter steht ein Militärposten, der Weg ist wirklich beschwerlich und mit 20 kg Gepäck auf dem Rücken bei über 30 Grad unendlich lang.

Wir konnten einen Großteil mit einem kleinen Boot abkürzen und kamen so zum Grenzfuß Naf-River.

Die Grenze zu Burma verläuft hier mitten durch den Fluß und deshalb auch die vielen Beamten der Coast-Guard.

Nachdem keine ankommenden Boote zu sehen waren wollten wir wieder zurück als vor einem Gelände Militärpolizei stand.

Das Gelände war voller Menschen und wir fragten den Soldaten einfach nur : ROHINGYA ?

YES war die Antwort.

Wir fragten ihn, ob wir helfen könnten und er sagte sofort zu, wir durften das Gelände betreten.

Alles voller Menschen die in einem Betonverschlag lagen, im Freien auf einem Hang saßen oder umherliefen.

Wir packten unsere Taschen aus und im Nu versammelten sich alle.

Menschen mit hohem Fieber, Husten, Schwindel und alle erst seit 2 Tagen hier.

Wir konnten etwa 100 von Ihnen mit Medikamenten versorgen und hatte auch Zeit, kleine Unterhaltungen zu führen.

KEINER von ihnen hat die typischen Ausschläge die wir in den anderen Camps vorfinden konnten. Für uns eine eindeutiges Zeichen, dass die ganzen Hautkrankheiten wirklich durch das verseuchte Wasser in den Camps entstehen.

Als wir fertig waren und gehen wollten , ist einer hochschwangeren Frau noch die Fruchtblase geplatzt.

Ein Kind hier in den Schmutz auf die Welt zu bringen schien uns aber dann doch zu gefährlich für Mutter und Kind. Wir haben mit den Soldaten gesprochen, die einen Transport in eine Klinik veranlassen.

Endlich einmal wieder ein rundum gelungener Tag.

Der letzte Tag, und der ist so skurril, dass man es gar nicht richtig begreifen kann.

Wir waren heute in einem ganz speziellen Lager. Einem Lager in der sogenannten ZERO ZONE, im Niemandsland.

Dieses Lager befindet sich mitten auf der Grenze zwischen Bangladesch und Myanmar, eine sehr komische Situation.

Genau durch das Lager fließt ein etwa 2-3 m breiter kleiner Bach und der ist die Landesgrenze. Die Hütten auf der einen Seite des Baches stehen in Myanmar, die Hütten auf der anderen Seite in Bangladesch.

Allein dort hin zu kommen, war ein Riesen Akt.

Zuerst beim Militärposten eine Genehmigung einholen, überhaupt in Richtung des Lagers zu fahren. Dann auf der Straße zum Lager unzählige Militärposten und am Eingang zum Lager hat man uns aber dann mal so richtig überprüft. Alleine die Prüfung unserer Pässe hat fast 20 Minuten gedauert, alles wurde peinlich genau notiert und dann plötzlich der Hinweis, wir bekommen einen Platz im Camp, um die Menschen medizinisch zu versorgen.

Vorher bekamen wir noch wichtige Ratschläge.

Am Ende der Zeltreihe befindet sich ein Minenfeld, wir können uns frei bewegen aber hinter den Reihen mit den Zelten ist ein Zaun und wer sich dem Zaun nähert wird ohne Vorwarnung von der Myanmarseite erschossen.

Jeder versucht hier, sich jeden Meter genau zu überlegen, wenn er irgendwo hin will.

Egal wo man sich aufhält, es steht meist ein schwerbewaffneter Soldat daneben und passt genau auf.

Wir haben vielen Menschen wieder Salben und Medikamente verabreicht, fast alles ist aufgebraucht.

Die Verabschiedung durch die Soldaten war beim Verlassen überraschend herzlich und freundlich, für sie sicher auch eine Abwechslung, dass jemand von so weit her kommt, um hier zu helfen.

Danach haben wir von den großen Camps noch Wasserproben besorgt, die wir in Deutschland analysieren lassen wollen und nun ist das Projekt hier offiziell beendet.

Morgen früh geht´s dann mit dem Flugzeug nach Dhaka und übermorgen wieder in die Heimat.