Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN COX´S BAZAAR / BANGLADESCH SEPT. 2017 / TAG 2

Heute hatten wir einen richtig stressigen Tag.

Gegen 10 Uhr sind wir zum ersten Camp gefahren. Alleine dorthin zu kommen, ist nervenaufreibend. Das Camp ist zwar nur 40 km von Cox entfernt, aber wir haben eine gute Stunde benötigt, dort hin zu kommen.

Man kann die Situation in einem solchen Camp nicht beschreiben, nur anhand von Bildern verständlich machen. Menschen, wo hin man schaut, Kinder die im Schmutz sitzen, provisorische Hütten, wohin man schaut und alle mit abwesendem Blick, der erahnen läßt, was diese Menschen erlebt haben.

Egal, wo man steht, sofort bildet sich eine Gruppe von neugierigen Menschen, die fragen, uns erwartungsvoll anstarren.

Min Thein, unser Begleiter aus Paderborn, ist ein Rohingya und spricht die Sprache dieser Menschen, für uns ein unentbehrlicher Helfer.

In diesen Camps leben bis zu 300.000 Menschen, eine unfaßbare Zahl, in absolut primitiven Verhältnissen.

Wir wollen in den Lagern Brunnen für Trinkwasser bohren und uns erst einmal einen Überblick verschaffen.

Es gibt bereits eine Vielzahl von Brunnen, die irgendwer gebohrt oder geschlagen hat.

Das Problem ist aber, dass diese meistens nur 20-30 m in die Tiefe reichen und nur verschmutztes und mit Arsen versetztes Wasser fördern.

Wir haben uns die Vorgabe gesetzt, mindestens 100 m tief zu bohren, damit wir sicherstellen, kein kontaminiertes Wasser zu fördern.

Bei unserem Durchgang durch das Lager hat uns ein Mann angesprochen, dass sein kleiner Sohn krank sei. Der Kleine lag in einem Zelt auf dem Boden und hat Schwellungen an den Kniegelenken. Da wir unsere medizinischen Artikel erst einen Tag später bekommen, wollen wir morgen gleich nochmal dort hin gehen.

Als wir dann in das nächste Camp weiterfahren wollten, kam noch ein Mann auf uns zu und zeigte uns eine große offene Wunde im Bereich der linken Leiste. Offen, ohne Abdeckung und stark entzündet. Morgen haben wir die Notfalltaschen dabei und werden versuchen ihm zu helfen.

Die Situation in den Lagern ist grauenhaft, vor allem was die Kinder betrifft.

Schmutz und Abwasser überall, dazwischen spielen nackte kleine Kinder und niemand kümmert sich irgendwie um das, was im Lager passiert. Es sind einfach zu viele Menschen und das Militär ist zwar präsent, scheint aber absolut überfordert mit der Situation.

Bei einer Temperatur von 32 Grad und praller Sonne wollten wir beim verlassen des Camps an einem kleinen Kiosk noch etwas zu trinken kaufen, als viele Kinderaugen uns anstarrten.

Wir haben einfach den halben Vorrat aufgekauft und an die Kinder verteilt. Die Blicke der Kinder muss man nicht beschreiben....

Im nächsten Camp steigerte sich die Situation nochmal.

Noch mehr Menschen auf noch größerer Fläche, schmutziges und stinkendes Abwasser überall auf den Wegen.

Wir haben insgesamt 3 Camps besucht, in denen fast eine halbe Million Menschen leben, Zelte und Hütten, soweit das Auge reicht.

Am Abend dann hat Mahbul mit seinem Team im Hotel gewartet. Schnell duschen , etwas Essen und dann noch einige Meetings über die Planung der nächsten Tage.

Morgen muss mit dem Bohren der Brunnen begonnen werden, eine medizinische Station aufgebaut werden, den Mann und das Kind müssen wir versorgen und dafür sorgen, dass alle unsere gesetzten Ziele erreicht werden.

Jeder Tag, der nicht voll genutzt werden kann, ist ein verlorener Tag und die Zeit ist zu knapp.