Flüchtlingshilfe Ludwigshafen - Ruchheim

HILFSEINSATZ IN COX´S BAZAAR / BANGLADESCH SEPT. 2017 / TAG 7

Heute ist mal Zeit, sich den Frust von der Seele zu reden.

Bevor wir hier anreisten, hatten wir ein großen Projekt im Sinn, wir wollten Trinkwasserbrunnen bohren lassen und haben in erster Linie dafür Geld gesammelt.

Help me e.V. hat sich dieses Projektes angenommen und mit vielen Aktionen eine wirklich sehr große Summe an Geldspenden gesammelt.

Wir hatten bereits im Vorfeld Kontakt mit einer Organisation, die sich Gesellschaft für Menschenrechte in Bangladesch ( BCHRD ) nennt und mit deren Direktor ein reger Schriftwechsel über den Messenger stattfand, insgesamt über 50 DIN A4 Seiten Nachrichten wurden im Messenger ausgetauscht. Dort war man begeistert, dass wir ein solch tolles Vorhaben auf die Beine stellen wollen.

Uns wurde versprochen, dass man uns in jeder Hinsicht unterstützen wird. Wir haben Bilder von fertigen Brunnen bekommen und wir nannten die Bedingungen für den Bau von Brunnen. Weil wir von den Problemen mit dem Trinkwasser wussten, was die Arsenbelastung angeht, haben wir von Anfang an gesagt, unsere Brunnen werden eine Mindesttiefe von 100 m, also etwa 300 Fuß haben und so wurde sich auf einen Preis von 300 Euro für den kompletten Brunnen geeinigt.

Nachdem wir uns auf eine Gesamtzahl von 40 Brunnen geeinigt hatten, bekamen wir von BCHRD die Nachricht, dass man bereits die Genehmigungen zum Bau der Brunnen hat und wir sofort mit dem Bau loslegen können.

Bereits einen Tag später kam die Aufforderung, einen Vertrag zu unterschreiben, was wir ablehnten. Wir sagten ganz klar, wir kommen 11000 km in dieses Land und werden helfen, da brauchen wir keinen Vertrag.

Dann kam die Aufforderung, den Betrag vorab zu überweisen, damit man das Material schon im Vorfeld besorgen kann.

Auch dies haben wir abgelehnt, wir haben den Vorschlag gemacht, je nach Baufortschritt, jeden Abend den Preis für die an einem Tag fertiggestellten Brunnen per Western Union bargeldlos zu überweisen.

All diesen Dingen wurde schlußendlich zugestimmt und wir sind mit dem festen Vorsatz hier angereist, etwas sehr wichtiges und gutes für die Menschen hier zu tun.

Bereits am ersten Tag nach unserer Ankunft hieß es, ja, man könne sofort mit dem Bau beginnen, das Material wäre bereits gekauft und am nächsten Tag wolle man mit dem Bau beginnen.

Wir haben noch eine weitere Organisation hier kennen gelernt, die ebenfalls Brunnen bohrt und dachten uns, auch dieser Organisation den Auftrag zum Bohren der Brunnen zu geben, denn 40 Brunnen sind einfach von der Zeit her durch einen einzigen Partner nicht zu schaffen.

Auch mit ihnen haben wir uns auf einen Preis von 300 Euro je Brunnen geeinigt.

Es gab immer die klare Richtung, jeder Brunnen muss eine Mindesttiefe von 100 m haben.

Immer wieder, JA, KEIN PROBLEM, man könne am nächsten Tag anfangen.

Inzwischen haben wir mitbekommen, dass in jedem Lager weit über 100 Brunnen existieren, teilweise gerade mal 3 m auseinander.

Wir haben gleichzeitig mit unserem Medizinprojekt angefangen und bereits am Anfang fiel uns das einheitliche Krankheitsbild dem Campbewohner auf, alle haben leichte bis schwere Folgen einer Arsenvergiftung.

Für uns wichtig, nochmals auf die Mindest-Bohrtiefe von 100 m hinzuweisen.

Nachdem wir am ersten Bohrtag im Camp niemand von den Firmen antrafen, baten wir um einen Termin zur Besprechung.

Bei diesem Meeting wurde wieder auf die Dringlichkeit hingewiesen, was die Zeit, die Bohrtiefe und den Preis angeht.

Alle Organisationen versprachen, am nächsten Tag mit dem Bau zu beginnen.

Mit der Organisation für Menschenrechte, BCHRD, hatten wir noch einen Termin für den nächsten Tag vereinbart, im Camp beim Aufbau einer Medizinstation mitzuhelfen und Medikamente zu spenden und in das Camp zu bringen.

Wir haben die Medikamente besorgt, bezahlt und dann hieß es, die Spenden sollten für Hindus, Bengalen und sonstige Bewohner gelten, dem haben wir widersprochen. Es wurde die klare Ansage gemacht, dass unsere Spenden AUSSCHLIESSLICH für Rohingyas gelten.

Darauf konnte man sich einigen und wir sollten die Medikamente am nächsten Tag zum Camp bringen, dort würde der Doktor der Organisation eine Station leiten, in der Rohingyas behandelt wurden.

Nachdem wir dort eingetroffen waren, hieß es, wir sollten die Patienten behandeln, die Wunden, Verletzungen und Verbrennungen haben, der Doktor würde sich um die internistischen Fälle kümmern. Wir wurde zwar etwas überrumpelt, haben dem jedoch zugestimmt.

Aufgrund der Vielzahl von Patienten wurde vereinbart, am nächsten Tag noch einmal 4 Stunden dort mitzuarbeiten, jedoch kurz nachdem wir an diesem Tag das Camp verlassen haben, wurde vom dem BCHRD Doktor die Anweisung gegeben, die Station sofort aufzulösen, alles einzupacken und den wartenden Patienten wurde gesagt, sie sollten nicht mehr kommen, die Station sei geschlossen.

Als wir am nächsten Tag wie vereinbart wieder in der Station erschienen, war die Hütte komplett leergeräumt, aber über 100 Menschen warteten geduldig auf eine Behandlung. Also haben wir einen Tisch und ein paar Stühle besorgt und die Menschen alleine mit den Mitteln behandelt, die uns zur Verfügung standen. Gleichzeitig trafen die Bohrteams ein und begannen, die Brunnen zu bohren.

Das alles ging ein paar Stunden gut bis plötzlich die Nachricht kam, man bohre nicht weiter, weil die Tiefe von 100 m mit den vorhandenen Werkzeugen nicht möglich sei.

Es wurde sofort Kontakt mit der BCHRD Organisation aufgenommen, um zu klären, was dieses Verhalten solle. Uns wurde mitgeteilt, dass dafür eine andere Organisation zuständig sei und man sich an diese wenden solle.

Wir haben ganz klar gesagt, dass BCHRD unser Partner sei und ein solches Verhalten nicht verständlich sei, dass wir in diesem Falle die Zusammenarbeit kündigen werden.

Darauf sollten wir mit Drohungen und Klagen eingeschüchtert und man verlangte die Zahlung des vereinbarten Betrages, was wir natürlich abgelehnt haben.

Am nächsten Tag waren alle Bohrmaterialien im Camp verschwunden und bis auf kleines Loch nichts mehr von den Arbeiten zu sehen.

Wir dachten uns, OK, dann eben nicht, wir haben ja noch die andere Organisation, mit der wir dann die Arbeiten weiterführen.

Der Direktor vom BCHRD, der sich als absoluter Freund ausgab, hat uns auch die Simkarten für unsere Telefone besorgt, damit wir über Whatsapp kommunizieren können. Aus Rache, weil er unser Geld nicht bekommen hat, hat er die Simkarten sperren lassen, wir können sie nicht mehr aufladen und weil die aktuellen Berichte über Whatsapp bei mir das Datenguthaben aufgebraucht haben, kann ich dies nicht mehr aufladen und Whatsapp nicht mehr nutzen.

Meine Tagesberichte kann ich nur noch in Facebook stellen, wenn ich hier im Hotel mal ausnahmsweise WiFi Zugang habe.

OK, damit kann ich leben, es gibt schlimmeres, allerdings ist Whatsapp für mich nicht mehr nutzbar.

Mit der neuen Organisation wurde ein Termin im Camp Kuta Palong vereinbart und am nächsten Tag waren dort bereits zwei Teams eifrig am Bohren.

Wir haben mit den Verantwortlichen in mehreren Besprechungen ausgemacht, dass sie in verschiedenen Camps unsere 40 Brunnen bohren sollten.

Endlich kommt Bewegung in die Geschichte.

Als wir am nächsten Tag die Brunnen abnehmen wollten, waren die Bohrstellen verlassen, niemand arbeitete mehr. Auf Anfrage teilte man uns mit, es sei nicht möglich, einen Brunnen mit einer Tiefe von 100 m auf diese Art von Hand zu schlämmen obwohl die Bohrtiefe immer das Hauptkriterium des Auftrages war.

Mittlerweile sind viele Tage ohne Fortschritt vergangen.

Auch diese Zusammenarbeit wurde nun gekündigt.

Bei diesen Verhandlungen haben wir einen jungen Mann kennengelernt, der eine eigene Firma für solche Brunnenbohrungen hat.

Er hat uns ein klares Konzept vorgelegt, wie er die Brunnen bohren würde und nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, einen Brunnen, 100 m tief, komplett mit Pumpe und Beton-Einfassung für den gleichen Preis, 300 Euro, zu bekommen, haben wir ihm den Auftrag gegeben, in der verbleibenden Zeit wenigstens 5 Brunnen zu bohren.

Gestern Mittag haben wir uns dann im Camp Balukhali 1 getroffen um die Standorte festzulegen.

Ich hatte ihn dann vor allen Beteiligten nochmals extra nach dem Preis gefragt, damit keine Mißverständnisse aufkommen.Der Fixpreis von 300 Euro für einen 100 m tiefen Brunnen gilt.

Gestern Abend hatten wir uns alle noch einmal zum Essen getroffen und und da eröffnete er uns, ja, das alles ein Mißverständnis, die 300 Euro bezögen sich nur auf die Bohrung, der komplette Brunnen solle 950 Euro kosten.

Ich habe ihn gefragt, was ein solches Verhalten solle, es wurde am Mittag noch ein Preis von 300 Euro für einen kompletten Brunnen ausgemacht, seine lapidare Antwort, das sei ein Mißverständnis.

Wir haben nur noch wenige Tage, die wir hier sind und langsam kristallisiert sich hier ein Schema heraus.

Diese ganze Brunnengeschichte hat mafiaähnliche Strukturen.

Man schließt Verträge, bohrt ein kleines Loch von 20 m, behauptet, der Brunnen sei tief genug und fördere gesundes Trinkwasser, kassiert Geld und übergibt einen Brunnen, von dem man genau weiß, dass er hochbelastetes Wasser fördert, an dem Menschen erkranken, Kinder und alte Menschen evtl. sterben.

Wir sind mit dem festen Vorsatz hierher gekommen, Menschen zu helfen und stoßen hier auf ein menschenverachtendes profitgeiles System von Betrügern.

Niemand kann sich unsere Enttäuschung vorstellen, zumal wir genau wissen, was dieses Wasser anrichtet.

Das schlimmste an der Geschichte ist, dass in dieses System fast alle irgendwie verstrickt sind, selbst das Militär, dass genau weiß, wie tief diese Brunnen wirklich sind und was das Wasser anrichtet.

Wir sind am Boden, aber so richtig, 7 Tage lang wurden wir von mehreren Organisationen für dumm verkauft in der Absicht, uns über den Tisch zu ziehen und für giftiges Wasser zu zahlen.

Das Problem an der Sache ist, dass alle Spender von Help me e.V. Ihr Geld ausdrücklich für den Bau eines Brunnens gegeben haben, wir können das Geld nicht für andere Zwecke verwenden.

Die Gelder sind natürlich nicht verloren, werden wieder mit zurück genommen, aber hier wären sie so wichtig gewesen.

Wir sind unsagbar enttäuscht über das alles , es zeigt uns eine Dimension der Gesamtlage hier, die wir nie für möglich gehalten hätten.

Wir werden heute entscheiden, wie wir die restliche Zeit, die wir noch wir noch hier sind, am effektivsten nutzen können.

Wir werden hier belogen, betrogen und jeder will auf irgendeine Art an unser Geld.

Die Dimensionen diese Betruges sind ungeheuerlich, wenn man von der unglaublichen Anzahl dieser Brunnen ausgeht, die sich bereits in den Camps befinden.

Die Rohingyas haben unglaublich schlimme Dinge erlebt und wenn man daran denkt, dass sie von einer Katastrophe in die nächste kommen und auf das Wasser angewiesen sind, zeigt sich die unfaßbare Kaltblütigkeit, mit der hier gearbeitet wird.

Wir sind mehr als traurig und maßlos enttäuscht darüber, wie angeblich gläubige Moslems hier mit ihren Brüdern und Schwestern umgehen.

Fast allen ging es nur darum, mit uns zusammen während unserer Arbeit fotografiert zu werden, um sich das, was wir gemacht haben, auf ihr Konto zu buchen.

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Wir hatten am ersten Tag, an dem wir im Camp in Kuta Palong waren einen Mann getroffen, mit einer großen offenen Wunde im Leistenbereich. Weil wir an diesem Tag keine Medikamentenpackungen dabei hatten, versprechen wir ihm, noch einmal vorbei zu kommen.

Nachdem wir unsere Medikamente gekauft hatten, sind wir also heute zum Camp gefahren, in dem der Mann lebt.

Kaum hatten wir unsere Taschen abgestellt, kam ein Mann von der Campleitung und hat es uns untersagt, den Mann zu behandeln.

Als Begründung wurde genannt, weil wir den Auftrag zum Brunnenbohren an eine Organisation, die einfach die Arbeiten eingestellt hat, an eine andere Organisation vergeben haben.

Das Eine hat zwar mit dem anderen nichts zu tun, aber auch alles Diskutieren half nichts, wir mussten das Lager unverrichteter Dinge verlassen.

Das zeigt, wie kriminell die einzelnen Organisationen hier handeln.Es wurden Banner mit unserem Logo und in der Hauptsache mit den Logos der sogenannten Partnerfirmen aufzuhängen um den Eindruck zu erwecken, das alles sei die Leistung der Organisationen.